Wechsel der Krankenkasse – welche ist die Richtige für mich?

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In Deutschland besteht gesetzliche Krankenversicherungspflicht. Die Wahl der Krankenkasse bleibt jedem selbst überlassen.
Der Gesundheitsmarkt ist in Bewegung. Es gibt günstige Krankenkassen, die gute Zusatzleistungen bieten. Beim Vergleich gilt, nicht nur auf den Beitragssatz, sondern den Leistungsumfang zu schauen. Wer Wechselträgheit überwindet, kann Geld sparen.

Worauf lege ich persönlichen Wert?

Die Grundversorgung ist bei allen Krankenkassen annähernd gleich. Laut Sozialgesetzbuch ist ausreichend zweckmäßige, wirtschaftliche Behandlung garantiert. Dazu zählen ambulante sowie stationäre ärztliche, zahnärztliche und psychotherapeutische Behandlung, medizinische Rehabilitation, häusliche Krankenpflege, Versorgung mit Arznei, Hilfs-, Heil- und Verbandsmitteln, für Männer und Frauen altersabhängige Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen wie Tetanus und Diphterie. Unterschiede zeigen sich im Angebot verschiedener Zusatzleistungen: professionelle Zahnreinigung, Osteo­pathie- oder Kinder­wunschbe­hand­lung, spezielle Reiseimpfungen Cholera, FSME oder Grippe, Behandlung beim Heilpraktiker. Gewünschte Extraleistungen konkret anfragen und über ein Angebot schriftlich dokumentieren lassen.

Wer suchet, der findet!

Um das beste Preis-Leistungs-Verhältnis zu ermitteln, sind parallel Beitragshöhe und Höhe des Zusatzbeitrages zu betrachten.
Positiver Aspekt sind Wahltarife, Bonusprogrammme und Service. Wie wichtig sind erreichbare Filialen, persönliche Beratung, Onlineservice und Terminvermittlung beim Facharzt? Für den aktuellen Überblick stehen Vergleichsportale und Stiftung Warentest zur Verfügung.

Unzufrieden mit der Krankenkasse?

Ein Wechsel für Kassenpatienten gestaltet sich unkompliziert. Die gewählte Krankenkasse übernimmt alle Formalitäten, sobald eine schriftliche Kündigungsbestätigung der alten Kasse vorliegt. Ablehnung auf Grund von Alter oder Gesundheitszustand ist ausgeschlossen. Die Kündigungsfrist beträgt 2 Monate zum Monatsende, wenn mindestens 18 Monate Mitgliedschaft besteht. Unbeachtet der Zugehörigkeitsdauer greift das Sonderkündigungsrecht bei Einführung eines Zusatzbeitrages oder Beitragserhöhung. Privat Versicherten empfiehlt sich kein Wechsel. Alternativ kann ein anderer Wahltarif lohnen.

Was übernimmt die Krankenkasse nicht?

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Nach den gesetzlichen Bestimmungen übernimmt die Krankenversicherung die Kosten für eine medizinisch notwendige Behandlung, Rehabilitation und Diagnostik. Sie zahlt darüber hinaus Krankengeld. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen eine Krankenversicherung nichts zahlt.

Urlaub im Ausland

Krankenkassen gewähren in der Regel Leistungen nur im Inland. Allerdings gibt es mit vielen Ländern Sozialversicherungsabkommen. Wer in einem EU-Land erkrankt, kann sich durch die Sachleistungsaushilfe behandeln lassen. Patienten müssen jedoch beachten, dass möglicherweise die niedrigeren Standards des Gastlandes gelten. Bei Reisen ins Ausland sollte daher grundsätzlich eine Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen werden.

Brillen, Atteste, Fahrtkosten und Sonderleistungen

Krankenversicherungen übernehmen anfallende Kosten für Brillen in der Regel nur noch bei Kindern, weil Sehfehler, die in früher Kindheit nicht korrigiert werden, später finanzielle und gesundheitliche Folgen haben. In der Regel erfolgt eine Erstattung in Form eines Festbetrages. Atteste, die von Ärzten ausgestellt werden, werden ebenfalls nicht von den Krankenkassen ersetzt. Nach den Regelungen der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) können die Kosten für Atteste zwischen fünf und fünfzehn Euro betragen. Ausführlichere Atteste sind hingegen teurer. Die Krankenkassen übernehmen auch Kosten für Fahrten von und zum Arzt nur noch in Ausnahmefällen. Ansprüche auf Fahrtkostenerstattung haben lediglich Schwerbehinderte bei einer starken Gehbehinderung, Blindheit oder einer besonderen Hilfsbedürftigkeit, die durch Vermerke im Schwerbehindertenausweis gekennzeichnet sein muss. Wahlleistungen im Krankenhaus, wie Einbettzimmer oder Chefarztbehandlungen müssen vom Patienten durch eine private Zusatzversicherung gesichert werden.

Schönheitsoperationen

Kosmetische Behandlungen oder plastische Operationen sind normalerweise nicht medizinisch notwendig und werden ebenfalls nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. In diesem Bereich arbeiten viele Ärzte oder Chirurgen, die nicht Vertragsärzte der gesetzlichen Krankenkassen sind und nur Privatpatienten behandeln.

Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung

 

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Lebensumstände ändern sich ungeplant. Selbstständige sind zur Gewerbeaufgabe gezwungen, finanzielle Einbußen durch Jobwechsel oder Familiengründung mit Kindern können einen neuen Status in der Krankenversicherung erfordern. Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist nur ausnahmsweise vorgesehen und mit Hürden verbunden. Hintergrund ist Missbrauch des Solidarprinzips. Junge Leute, die alle Vorteile der Privatversicherung bei moderaten Beiträgen genießen, erwägen bei steigender Beitragslast im Alter den Wechsel.

Wechselkriterien sorgfältig abwägen

Ausschlaggebende Faktoren sind Beruf -Angestellter oder Selbstständiger-, Altersgrenze 55 Jahre, Einkommenshöhe und Versicherungspflicht.

Möglichkeit für Angestellte:

das Bruttoeinkommen liegt unter der Versicherungspflichtgrenze 57.600 Euro. Für vor dem 31. Dezember 2002 privat Versicherte gilt die besondere Versicherungspflichtgrenze 52.200 Euro. Einkommensreduktion lässt sich durch Teilzeitarbeit, Entgeltumwandlung in betriebliche Altersvorsorge, Arbeitszeitkonto oder Gehaltssplit in feste und variable Bestandteile umsetzen. Der Privatkasse ist bei Kündigung eine Bestätigung des Arbeitgebers vorzuweisen. Nach Kassenwechsel kann das Einkommen wieder steigen.

Möglichkeit für Selbstständige:

ein Haupt-Arbeitsverhältnis als Angestellte unterhalb der Versicherungspflichtgrenze begründen, jedoch über 450 Euro. Selbstständigkeit kann nebenberuflich weiterlaufen. Älteren Selbstständigen und generell über 55 Jährigen bleibt die Option Familienversicherung beim Partner bei entsprechendem Gesamteinkommen.

Einmal privat, immer privat?

Es gibt wenige Schlupflöcher. Besteht Anspruch auf Arbeitslosengeld I, greift per Arbeitslosmeldung die gesetzliche Krankenversicherung. Aufwendiger ist die Jobannahme im krankenversicherungspflichtigen EU-Staat für Minimum ein Jahr. Unter Fristeinhaltung ist die Private kündbar und nach 3 Monaten im Heimatland die Gesetzliche offen. Rentnern wird die Krankenversicherung Rentner versagt, waren sie nicht einen Großteil der letzten Berufsjahre gesetzlich krankenversichert. Also den Entschluss nicht zu lange aufschieben. Weitere Ausnahmeregelungen betreffen Schwerbehinderte und soziale Härtefälle.

 

Folgekostenversicherung für Schönheitsoperationen

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Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Der härteste Kritiker ist jedoch der Mensch, welcher vor dem Spiegel steht. So ist es nicht verwunderlich, dass die eigene optische Aufwertung mittels plastisch-ästhetischer Chirurgie kein Nischendasein fristet. Operative Eingriffe, gleich welcher Schwere, bergen Risiken. Je schwerer der Eingriff, desto höher das Komplikationsrisiko. Dieses Risiko einzudämmen obliegt dem ausführenden Arzt, sei es durch die entsprechende Fertigkeit, Technologie oder bestenfalls beides. Ungeachtet dessen ist kein Arzt gegen Unachtsamkeiten oder Unvorhersehbarkeiten gefeit. Da Schönheitsoperationen kostspielig genug sind, sollten sich Patienten im Vorfeld absichern. Sie können nämlich für die Kosten der Folgebehandlungen zur Kasse gebeten werden. In einem persönlichen Gespräch sollten mit einem professionellen Schönheitschirurgen die Kosten abgeklärt werden.

Wenn die Brust-OP zur Kostenfalle wird

Die klassische Schönheits-OP ist per Definition in den seltensten Fällen medizinisch notwendig. Ihr Sinn besteht nicht darin, Funktion oder Form eines Körperteils wiederherzustellen – beispielsweise nach einem Unfall. Ihr Ziel ist die kosmetische Korrektur. Klassische Beispiele sind Brustvergrößerung, Nasenkorrektur oder auch kleinere Eingriffe, wie die Beseitigung von Krähenfüßen oder die Liderstraffung. Folglich sind die anfallenden Kosten vom Patienten zu tragen.

Was Viele nicht wissen, ist, dass im Falle von Komplikationen die anfallenden Kosten für korrigierende Nachbehandlungen zulasten des Patienten gehen. Rechtliche Basis hierfür ist die Gesundheitsreform des Jahres 2007, die im Sinne der Stabilisierung der Kosten für Krankenkassen und den daraus resultierenden Mitgliedsbeiträgen unter anderem festschrieb, dass derlei Kosten in angemessener Höhe zu Lasten der Patienten zu gehen haben.

Genauer gesagt formuliert der §52 (Leistungsbeschränkung bei Selbstverschulden) des Sozialgesetzbuches (SGB), Fünftes Buch (V), im zweiten Absatz, dass Krankenkassen die Kosten umlegen müssen: “Haben sich Versicherte eine Krankheit durch eine medizinisch nicht indizierte ästhetische Operation, eine Tätowierung oder ein Piercing zugezogen, hat die Krankenkasse die Versicherten in angemessener Höhe an den Kosten zu beteiligen …

Schutz per passender Folgekostenversicherung

Gerade medizinische Eingriffe schlagen mit unerwartet hohen Kosten zu Buche, und somit sind Patienten gut beraten, wenn sie sich gegen dieses finanzielle Risiko absichern. Je nach Tarif deckt die Folgekostenversicherung jene Kosten, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden.

Fakten im Überblick:

* Die Folgekostenversicherung ist für gesetzlich und privat Versicherte geeignet
* Üblicherweise deckt die Versicherung bis zu 50% der Ansprüche durch die KK, höchstens aber 250.000 Euro
* Die Versicherung kann bis einen Tag vor der OP abgeschlossen werden, hat eine Laufzeit von einem oder drei Jahren und läuft automatisch aus
* Ein vorher angekündigter Arztwechsel ist während der Laufzeit unproblematisch
* Der Eingriff muss von einem registrierten Partnerarzt der Versicherung vorgenommen werden
* Bei Terminschwierigkeiten muss umgehend der Versicherer informiert werden
* Auch bei Folgekomplikationen mit Heilbehandlungsbedarf besteht eine fristgemäße Meldepflicht beim Versicherungsanbieter
* Nur in Deutschland durchgeführte Eingriffe sind versichert
* Der Versicherungsnehmer muss volljährig sein
* Eingriffe, deren Notwendigkeit nicht durch die versicherte Operation gegeben ist, sind nicht Bestandteil des Versicherungsschutzes

Gesundheitsprüfung der privaten Krankenversicherung

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Mithilfe einer allgemeinen Gesundheitsprüfung schätzen Private Krankenversicherungen das Krankheitsrisiko des Antragstellers ein. Auf dieser Grundlage wird die Beitragshöhe bestimmt. Lassen die Angaben ein zu hohes Risiko erwarten, ist – im Gegensatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung – sogar eine Verweigerung der Antragsannahme möglich.

Wahrheitsgemäßes Beantworten der Gesundheitsfragen

Um einer späteren Vertragskündigung seitens des Versicherers bzw. möglichen Rechtsfolgen aufgrund von falschen oder verschwiegenen Angaben vorzubeugen, sollten die zumeist dem Versicherungsantrag beigefügten Gesundheitsfragen vollständig und richtig beantwortet werden. Ratsam ist es, sich vor der Antragstellung mit der eigenen Krankheitsgeschichte auseinanderzusetzen und sich bei Bedarf genauere Auskünfte von behandelnden Ärzten einzuholen, da der Versicherungsgesellschaft selbst das Verschweigen von Informationen ohne Vorsatz als Anlass genügt, den Vertrag zu kündigen.

Aufnahme in den privaten Basistarif auch bei entsprechenden Vorerkrankungen

§19 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) zufolge kann eine Private Krankenversicherung einen Versicherungsantrag ablehnen. Als Ausnahme von diesem Recht sieht der Gesetzgeber den privaten Basistarif vor. Stellt ein Versicherungsaspirant einen Antrag auf Aufnahme in diesen Tarif, darf ihm dieser selbst bei Vorliegen von Vorerkrankungen und gesundheitlichen Risiken nicht verweigert werden.

Risikozuschlag oder begrenzter Leistungsumfang

Der Versicherer kann einen Risikozuschlag fordern, sollte die Gesundheitsprüfung ergeben, dass durch Vorerkrankungen für den Versicherer ein erhöhtes Risiko besteht. Legt der Versicherungsnehmer nach drei Jahren einen ärztlichen Nachweis über die Gesundung bzw. eine nicht mehr erforderliche Weiterbehandlung vor, kann dieser Zuschlag auf Antrag wegfallen.
Sollten bei der Gesundheitsprüfung Vorerkrankungen festgestellt werden, ist die Annahme des Vertrages durch den Versicherer unter Ausschluss bestimmter Leistungen möglich. Ferner kann er nur bestimmte Teile eines Versicherungsvertrages annehmen und lässt andere unwirksam.